Pfifferlinge und die Pilzsaison

Manche Menschen mögen keine Pilze und ich verstehe, dass diese seltsamen Wesen aus einer anderen Welt, näher den Tieren als den Pflanzen verwandt, Skepsis auslösen. Aber eben auch Faszination und nichts schmeckt für mich mehr nach einem feucht-kühlen Herbsttag im Wald als Pfifferlinge (Cantharelles).

In Deutschland sind sie um diese Jahreszeit überall leicht erhältlich, sogar im Supermarkt. Aber besonders lecker sind sie natürlich selbst gesammelt, dann kann man auch sicher sein, dass sie aus einem gesunden Wald kommen und nicht mit Schwermetallen oder Radioaktivität belastet sind. Pilze, die man in Deutschland im Handel erhält, kommen tatsächlich meist aus Osteuropa, wo professionelle Pilzsammler sie an Großhändler verkaufen. In Deutschland dagegen ist der Verkauf heimischer Pilze verboten. Und warum machen wir uns all die Mühe, diese Protein- und Vitaminbomben, die gleichzeitig reich an Eisen sind und durch Beta-Glucane das Immunsystem anregen, im Wald zu sammeln, statt sie auf Pilzfarmen zu kultivieren?

 

Trotz aller Bemühungen ist das bei Ektomykorrhiza, also Pilzen, die sich mit bestimmten Pflanzen, meist langlebigen Bäumen wie im Fall der Pfifferlinge der Eiche oder Kiefer und Fichte verbinden und synergetisch wachsen, noch nicht gelungen. Bei anderen Pilzen wie dem Austernseitling oder den typischen Champions ist das weitaus einfacher, denn sie sind Zersetzer und brauchen nur ein kohlenstoffreiches Wachstumsmedium wie Sägespäne oder Stroh. Unsere Pfifferlinge, genauso wie die beliebten Steinpilze, brauchen dagegen ihre Baumpartner und bilden Pilze, also ihre Frucht aus, wenn bestimmte Umweltbedingungen erfüllt sind.

 

Wie Peter Wohlleben in seinem großartigen Buch “Das geheime Leben der Bäume” beschreibt, ist unser gesamter Waldboden, aber natürlich auch der Garten und generell jeder gesunde Boden von feinen Fäden durchzogen, dem Myzel. Das ist der Teil des Pilzes, der unter dem Boden liegt, vergleichbar mit dem Wurzelwerk von Pflanzen. Dieses Netzwerk erlaubt es einer Pflanze, Nährstoffe und Wasser aus Bereichen zu bekommen, in die ihre Wurzeln nicht reichen. Die Ausdehnung von Pilzen unter der Erde kann oft riesig sein und so verlängert eine Pflanze durch ihren Pilzpartner ihre Reichweite und ihre Überlebenschancen. Im Gegenzug versorgt die Pflanze den Pilz mit Zucker. Dieser Austausch ist also für beide Partner hilfreich und macht gesunde Böden so wichtig und die Pilze im Wald nur noch faszinierender.

 

Pfifferlinge sind am besten sehr frisch zu konsumieren und schmecken besonders gut, wenn sie mit Kräutern und Knoblauch in etwas Butter gut gegart wurden. Und wer jetzt Lust hat, zum Ende der Pilzsaison selbst noch mal schauen zu gehen, der halte Ausschau nach dem leuchtenden Orange im Wald und rieche am Fund, wenn die Pilze stark nach Aprikosen riechen, sind es wahrscheinlich Pfifferlinge. Wer sich nicht zu hundert Prozent sicher ist, sollte seinen lokalen Pilzexperten fragen! (Bitte beachten Sie das es viele Giftige und gesundheitsschädigende Pilze gibt. Ein leichtsinniger Umgang kann zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tode führen.)

 

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