Mangold und rote Beete

Schon mal im eigenen Garten oder beim Bauern Mangold geerntet und dann festgestellt, dass die dicken violetten Wurzeln eigentlich zur roten Beete gehören? Die beiden sehen sich nicht durch Zufall so verdammt ähnlich, sie sind tatsächlich Zwillinge. Während Mangold schon von den alten Römern gegessen und geschätzt wurde, wurde die rote Beete wie wir sie heute kennen erst im 16. Jahrhundert entwickelt. 

Seit dem Beginn der Landwirtschaft selektieren Bauern Pflanzen. Das heißt sie wählen bei der Ernte diejenigen mit den größten Früchten, den robustesten Stängeln oder der schönsten Farbe aus und nutzen nur die Samen dieser Pflanze bei der nächsten Aussaat. Wenn Samen über viele Pflanzen-Generationen nach einem bestimmten Merkmal (z.B. dicke Wurzel im Fall der roten Beete oder schöne lange Blätter für Mangold) ausgewählt und reproduziert  werden, wird dieses Merkmal immer prominenter bis sich die ursprüngliche und die neue Form der Pflanze kaum mehr ähneln. Ein anderes Beispiel dafür sind Kohl, Rosenkohl, Rotkohl, Grünkohl, Blumenkohl und Brokkoli, die allesamt vom wilden Senf abstammen.

Weil je nach Klima und persönlichen sowie kulturellen Vorlieben die Auswahl der gewünschten Kriterien variiert haben wir heute so eine Vielzahl an unterschiedlichem Saatgut. Jedes Land hat eigene Samenbanken, in denen dieses wichtige kulturelle Erbe aufbewahrt wird. Im hohen Norden, im Saatgut-Tresor auf der norwegischen Insel Sveltbard, befindet sich ein Großteil der weltweiten Saatgutauswahl. Dass eine Vielfalt an verschiedenem Saatgut wichtig ist, führen uns grade die klimatischen Veränderungen vor Augen, die Dürren und Starkregen, die die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen stellen. 

Und wenn diese seltsame gelb-schwarze Tomate in Omas Garten vielleicht besonders dürreresistent ist? Oder dieser Apfelbaum, der weniger Erträge bringt vielleicht gegen einen Pilz gewappnet, den wir noch gar nicht kennen? Diese Beispiele machen deutlich, wie wichtig es ist, die Vielfalt an Saatgut die uns unsere Vorfahren vererbt haben, zu bewahren und zu pflegen. Wer Lust hat, mehr über Saatgut, aktuelle Problematiken und globale Bemühungen für Saatgutvielfalt zu erfahren, sollte sich unbedingt den Dokumentarfilm „Seed - unser Saatgut“ anschauen. Und besonderes Obst und Gemüse probieren. Rote und weiße Mohrrüben, gelbe Beete, schwarze Tomaten und violette Kartoffeln... die Vielfalt von Farben und Geschmäckern macht auch einfach Freude!

0 0
Feed

Einen Kommentar hinterlassen