Im Frühjahr: Regionale Äpfel oder doch lieber aus Neuseeland?

Generell sind wir daran gewöhnt, nach regionalen Produkten zu greifen, wenn wir klimafreundlich einkaufen wollen. Allerdings kann dieser “klimaschonendere” regionale Konsum auch ad absurdum geführt werden, wie ein einfaches Beispiel zeigt: In Mitteleuropa und grade auch in Deutschland wachsen leckere Äpfel und in guten Jahren sind die Bäume so voll, dass wir gar nicht mehr wissen, was wir damit tun sollen.

Während unsere Eltern und Großeltern noch mit zahlreichen Techniken zur Haltbarmachung des saisonalen Obstes vertraut sind und höchstwahrscheinlich einen kalten Keller oder Vorratsraum hatten, in dem sie beispielsweise Äpfel den ganzen Winter über lagerten, bis im Frühjahr die letzten schrumpeligen Exemplare wahrscheinlich nur noch im Kuchen oder im Haferbrei schmeckten, sind diese Vorratsspeicher heute selten. Stattdessen gehen wir in den Supermarkt, wo wir zu jeder Jahreszeit frische, knackige Äpfel finden. Aber zu welchem Preis? Als Verbraucher können wir von den Klimaschäden, die dieses Konsumverhalten mit sich bringt, oft nichts merken.

 

Unsere leckeren regionalen Äpfel sind nämlich nur natürlich knackig, wenn sie in Saison sind, also im Spätsommer und Herbst. Den Rest des Jahres über lagern sie in energieintensiven Kühlhäusern, so dass nach Berechnungen von Forschern des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung ab ca. April regionale, kühlhausgelagerte Äpfel CO2 intensiver sind als Äpfel aus Chile oder Neuseeland, die dort grade reif geerntet und dann per Schiff zu uns gebracht wurden.

 

Wer also im Frühjahr nicht ohne einen Apfel leben kann, sollte sich überlegen, statt lange gelagerten lokalen die importierten Äpfel zu kaufen. Auf deren Ökobilanz wirken sich aber natürlich auch andere Punkte wie ihre Anbaumethode (konventionell oder bio und Plantage oder Streuobstwiese) aus. Eingeflogene Ware ist außerdem in Sachen CO2 immer noch weitaus schädlicher als das ganze Jahr lang kühl gelagerte.

 

Darum möchte ich an dieser Stelle ein Hoch ausrufen auf das eingekochte Apfelmus, dass sich richtig eingeweckt nicht nur CO2-frei den ganzen Winter, sondern das ganze Jahr (und weitaus länger) hält. Auch ein Apfelessig, den du im Apfel-reichen Herbst machst, wird den ganzen Winter über nur besser und eine Apfelmarmelade ist auch im April der perfekte süße Vorgeschmack auf die Apfelsaison! Ein Hoch auf alle Generationen vor uns, die uns so viele Techniken und Rezepte hinterlassen haben und ein Hoch auf das saisonale Essen, das jede Jahreszeit zu etwas Besonderem macht!

 

"Reifer Apfel auf einem Apfelbaum" by Ivan Radic is licensed under CC BY 2.0

 

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