Fairtrade Siegel

Immer mehr Menschen achten beim Einkauf ihrer Lebensmittel auf Qualität und soziale sowie umwelttechnische Auswirkungen des Einkaufs. So ist die Zahl der Menschen in Deutschland, die fair gehandelte Lebensmittel kaufen, seit 2009 um über die Hälfte gestiegen. Aber was genau ist eigentlich fairer Handel?

Fairtrade Siegel

Immer mehr Menschen achten beim Einkauf ihrer Lebensmittel auf Qualität und soziale sowie umwelttechnische Auswirkungen des Einkaufs. So ist die Zahl der Menschen in Deutschland, die fair gehandelte Lebensmittel kaufen, seit 2009 um über die Hälfte gestiegen. Aber was genau ist eigentlich fairer Handel?

 

Der Definition der größten internationalen Handelsorganisationen nach ist fairer Handel „eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.“

 

Dabei steht vor allem die nachhaltige Entwicklung in Ländern des globalen Südens im Vordergrund. Produkte, die fair gehandelt werden, sind hauptsächlich Kaffee und Kakao, aber auch Rohrzucker, Kokosöl oder Schmuck, generell Dinge, die im globalen Süden hergestellt werden. Oft stammt dabei nicht das gesamte Produkt aus fairem Handel, sondern nur einzelne Zutaten, teilweise in geringen Mengen. Hier setzt auch schon einer der größten Kritikpunkte an Fairtrade Siegeln an. Aber sehen wir uns einige der beliebtesten Siegel im Detail an.

Fairtrade:

Das wohl bekannteste Siegel des fairen Handels, dass früher TransFair hieß und heute einfach unter dem Namen Fairtrade läuft, zeigt einen blau-grünen Kreis vor dunklem Hintergrund. Dieses im Handel weitverbreitete Siegel bedeutet, dass Produzenten dieses Produktes durch Vorfinanzierung, Mindestlöhne, Existenzsicherung und Sozialprämien unterstützt werden. Auch setzt sich Fairtrade generell für einen gerechteren Weltmarkt ein und fordert strukturelle Veränderungen, die es mit einer zunehmenden Verbreitung von fair gehandelten Produkten zu erreichen hofft. In einer Studie aus dem Jahr 2016 wurde die Aussagekraft des Fairtrade Siegels als hoch eingestuft.

 

Marine Stewardship und Forest

Stewardship und FSC:

Mehr als um den fairen Handel, der sein Augenmerk vorwiegend auf die sozialen Ungerechtigkeiten des Weltmarktes legt, geht es bei diesen beiden Siegeln vielmehr um das nachhaltige Management von Ressourcen, jeweils des Meeres und der Wälder. Genauso wie Fairtrade Siegel versichern auch diese beiden Siegel dem Konsumenten Mindeststandards.

Rainforest Alliance:

Bei diesem Siegel steht noch vor der Qualität vor allem der Anbau in ökologischer Landwirtschaft im Fokus, denn die Rainforest Alliance ist ursprünglich eine nicht-regierungs Organisation (NGO), die sich um den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz von Lebensraum bemüht.

 

Das Siegel ist umstritten, da Naturschutzorganisationen immer wieder von Verstößen gegen die Richtlinien des Siegels berichten, die Rainforest Alliance allerdings negiert. Außerdem schließt die kostspielige Zertifizierung mit diesem Siegel Kleinbauern oft aus, die damit den Zugang zu lukrativen Märkten im globalen Norden verlieren. Genauso wie das im Folgenden beschriebene UTZ Siegel wurde auch Rainforest Alliance von Stiftung Warentest 2016 nur als „mittel“ in seiner Aussagekraft im Bezug auf Anforderungsniveau, Umsetzung in der Praxis und Management der Organisation bewertet.

Utz Certified:

Das UTZ Siegel zertifiziert Kaffee, Tee, Rooibos, Haselnüsse, Kakao und sieht sich dabei die Einhaltung sozialer Standards, die Umweltverträglichkeit und die effiziente Bewirtschaftung an.

 

Es bietet allerdings seinen Produzenten keine Vorfinanzierung von Saatgut, keine Mindestabnahmepreise und ist nach eigenen Angaben kein Siegel des fairen Handels und garantiert keine positiven Auswirkungen auf tropische Landwirte. In einer UTZ zertifizierten Kakaoplantage an der Elfenbeinküste soll außerdem Kinderarbeit stattgefunden haben. In diesem Jahr soll das äußerst fragwürdige UTZ Siegel, das wohl nicht zu Unrecht des „fairwashings“, also der fälschlichen Suggestion eines fair gehandelten Produkts beschuldigt wird, mit dem oben beschriebenen Rainforest Alliance Siegel fusionieren.

GEPA:

Ist nach eigenen Angaben der größte europäische Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte aus den südlichen Ländern der Welt. Mit dem GEPA Siegel versehene Produkte sind zu finden in Weltläden, Bioläden sowie einigen Supermärkten. Bei einem GEPA zertifizierten Produkt ist anders als handelsüblich 100% der Rohstoffe sowie über die gesamte Verarbeitungskette hinweg alles fair gehandelt. Es gibt also kein „fairwashing“. Außerdem legt GEPA großen Wert auf ökologische Landwirtschaft und führt momentan 84% Bioprodukte. Auf genetisch veränderte Produkte wird bewusst verzichtet und auch die Verpackung ist klimafreundlich designt. So wird GEPA zertifizierte Schokolade statt in umweltschädliche Alufolie zum Beispiel in eine Schutzhülle aus größtenteils nachwachsenden Rohstoffen verpackt.

 

GEPA bietet den Produzenten faire Bezahlung, Vorfinanzierung (Beispielsweise zum Kaufen von Saatgut), langfristige Beziehungen und Beratung bei Produktentwicklung und Vermarktung. Seit seiner Gründung 1975 ist es das Ziel der GmbH, das Konsumverhalten in Ländern des globalen Nordens zu verändern. Dazu werden beispielsweise auf jedes Produkt ein Foto und Zitat eines der Hersteller gedruckt, was eine persönliche Beziehung zu seiner Herkunft aufbaut.

 

Fazit

Trotz der Vielzahl an Fairtrade Siegeln und der wachsenden Nachfrage nach fair gehandelten und nachhaltig hergestellten Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern bleibt es für Verbraucher oft schwierig, den Produktionsprozess eines Endproduktes und seine Herstellungskonditionen wirklich nachzuvollziehen. Durch neue Regulationen wie das geplante Lieferkettengesetz kann mehr Transparenz geschaffen und Verantwortung im Handel eingefordert werden. Gleichzeitig können wir als Konsumenten uns über die Herstellungsbedingungen unserer Lieblingsprodukte informieren.

 

Da in verschiedenen Bereichen wie dem sozialen, aber auch dem ökologischen Einfluss unseres Konsums auf den Planeten unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden müssen, sind verschiedene Siegel sinnvoll. Wenn man sich nur auf den Bereich Fairtrade konzentriert, ist das Grün-blaue Fairtrade Siegel zugleich eines der gängigsten, aber auch solidesten Siegel. Die Siegel von Rainforest Alliance und seinem zukünftigen Partner UTZ mögen in anderen Bereichen vielleicht sinnvoll sein, stehen aber nicht wirklich für fairen Handel. Wer es gern ein wenig persönlicher mag und in Sachen fairer Handel höhere Maßstäbe anlegt, sollte zu einem Produkt mit GEPA Siegel greifen. Dabei ist er auch nachhaltig und in Sachen Umwelt auf der sicheren Seite.

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