Der Winter: ein Segen der Natur

Manchmal fällt es schwer, wenn die Tage kürzer werden und man sich bei Regenwetter und dichtem Nebel aus dem Bett quälen muss. Noch sind die Tage melancholisch schön, Nebel hängt über den Feldern und die Blätter verfärben sich langsam. Aber wir wissen: Danach kommt der Winter.

Jetzt ist die große Erntesaison und es scheint alles im Überfluss zu geben. Vor allem Äpfel. Und ich möchte anhand dieser großartigen Bäume erklären, was ich erst weit weg von Zuhause, im tropischen Costa Rica über deutsche Apfelbäume lernte.
Ich lebte hier eine Weile an der warmen Karibikküste und genoss all die tropischen Früchte, Bananen, Papayas, Ananas... so ein Apfelbäumchen hält der ständigen Hitze und dem immer feuchten Klima dort nicht stand. Aber als ich von dort in die kühleren Berge des Landes zog, war ich überrascht zu lernen, dass sie hier wunderschöne rotbäckige Äpfel ernten. Inzwischen lebe ich auf einem Biohof mit Avocado- und Apfelplantage und konnte einiges über den Anbau von Apfelbäumen in den Tropen (wenn auch in den kalten Tropen hier) lernen.


Im Gegensatz zu unseren vier Jahreszeiten gibt es hier nur zwei: Trocken- und Regenzeit.

Unser Apfelbäumchen mag die nasse Regenzeit nicht so besonders, denn da werden auch seine Blüten durch den ständigen Regen und den niedrigeren Bienenflug nicht effektiv bestäubt. Also muss der Landwirt selbst mit dem Pollenpinsel nachhelfen, so erreicht er eine ideale Bestäubung.
Wie erwähnt ist es ein Biohof, auf dem ich lebe, aber die Äpfel hier sind es nicht.

Erstaunt fragte ich nach. Und erfuhr einmal mehr, warum der Winter so ein Segen der Natur ist.

Unser Apfelbäumchen wächst nämlich ganz prächtig in diesem bergigen Tropenklima. Aber nach ein paar Jahren mit den neuen Plantagen machten sich die Landwirte hier langsam Gedanken, warum sie keine Ernte hatten. Ein Agraringenieur aus der Schweiz brachte die Antwort: Ein Apfelbaum braucht den kalten Winter für seinen natürlichen Zyklus, um Frucht zu tragen.


Also müssen sie hier unseren Frost künstlich nachahmen, zum Beispiel mit Ammoniumnitrat, einem gängigen Kunstdünger. Das Apfelbäumchen verliert dann all seine Blätter, treibt anschließend neu aus und setzt Blüten an wie im Frühling.
Das Produkt zur Frostnachahmung wird zwar sparsam eingesetzt, ist aber unter dem Biosiegel nicht zulässig. Es gibt also keine Bioäpfel in Costa Rica.
Versuche mit anderen nicht-chemischen Substanzen an frostliebenden Pflanzen wie der Weinrebe scheinen vielversprechend, aber das ist abzuwarten.
In den Bergen Costa Rica’s lassen sich somit das ganze Jahr lang Äpfel ernten, wenn man unterschiedliche Plantagen zu unterschiedlichen Zeiten entlaubt.

Aber es ist mit viel Arbeit für die Landwirte, Kosten und dem zwingenden Einsatz von Chemikalien verbunden.
Vielleicht hilft dem ein oder anderen ja der Gedanke an das kleine Apfelbäumchen, das sich nach reicher Ernte im deutschen Winter jetzt mal ausruhen darf, den ersten kalten Tagen etwas freudiger entgegen zu schauen.

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